Habt ihr das auch schon mal beobachtet? Es gibt die Leute die spielen schon immer gerne und dann gibt es welche, die halten es für Kinderkram und wenig erwachsen. Eine dritte, recht kleine Gruppe steht irgendwo zwischendrin und schaut interessiert zu oder spielt sogar von Zeit zu Zeit mit. Oft wurde mir schon die Frage gestellt, warum ich soviel Spiele, ein eigenes Zimmer für dieses mir doch sehr wichtige Hobby habe und wie es eigentlich dazu kam. Ehrlich gesagt, weiss ich es nicht mehr genau und bin mir nicht mehr so sicher.
Als ich noch zu Hause gelebt habe, war das Thema Spiel schon da, aber eher nur am Rande. Mein Vater war ein Mensch, mit dem ich nicht gerne spielte, da er das Spiel nutzte, um rumzustänkern und beim Spiel auch irgendwie immer anders aufgelegt war, als ohne die Figuren und Würfel. Einzig und allein beim Schach spielen herrschte Ruhe und es dauerte über zwei Jahre, bis ich ihm gewachsen war. Seitdem spielten wir auch kein Schach mehr, eigentlich ziemlich schade.
Später dann rückten die Gesellschaftsspiele in den Hintergrund und das Rollenspiel wurde ein fester Bestandteil meines Alltags. In der achten Klasse hatten wir bei uns in der Schule eine Rollenspiel-AG, die immer nach der Computer-AG stattfand. Dort saßen wir zusammen und spielten DSA. Mein erster Charakter war ein Elf und hieß Sebastian. Wie kreativ, naja, damals hatte ich noch nicht so die Ahnung davon. Dieses Rollenspiel (DSA) habe ich mir bis heute bewahrt und mittlerweile spiele ich es seit über vierzehn Jahren.
Die Gesellschaftsspiele erhielten dann wieder um 2003 Einzug in mein Leben. Seit dem habe ich regelmäßige Spieleabende und die Sammlung meiner Spiele wuchs stätig an. Von 2003 bis 2005 habe ich mindestens einmal im Monat einen Spieleabend mit 10-15 Personen bei mir zu Hause veranstaltet und war erstaunt, wieviele nun doch dieses Hobby mit mir teilen, doch auch da waren die Beweggründe verschiedene.
Heute, mit 30 Jahren frage ich mich oft, warum ich mittlerweile fast schon eine Art Sucht nach diesem Hobby entwickelt habe. Ich kann zwar eine Weile ohne zu spielen auskommen, jedoch ist es für mich Entspannung pur und zudem eine gute Möglichkeit, Zeit mit Freunden zu verbringen. Und genau das wird es auch bei mir sein. Es ist eine Möglichkeit, Zeit mit Freunden zu verbringen. Dabei steht bei mir nicht mal das Gewinnen im Vordergrund, was sicher auch ein Beweggrund sein kann, sich einmal die Woche mit Leuten zum Spielen zu treffen. Ich erinnere mich da an eine Spielrunde in Neukölln, wo ausschließlich strategische Brettspiele auf den Tisch kamen und die Ergebnisse eines jeden Spieleabends gesammelt wurden.
Schon verrückt, welche Formen das annehmen und wie verbissen man diese Art der Freizeitgestaltung sehen kann. Aber es gibt auch schöne Entwicklungen, wie zum Beispiel das Entstehen von Ludotheken, von denen wir auch in Berlin eine habe. Dort kann man sich Spiele ausleihen und wie in einer Videothek erst mal anschauen, bevor man es seiner eigenen Sammlung hinzufügt. Ich selbst bezeichne mich mittlerweile auch als Sammler, denn es gibt viele Spiele in meinen Regalen, die ich noch nicht ein einziges Mal gespielt habe.
Seit Anfang 2008 versuche ich zudem auch viel für die Spielverlage zu machen und das Thema mehr unter die Leute zu bringen. Dies ermöglicht mir zum einen einen guten Einblick in die Spielerschaft Berlins und die Orte, an die die gehen, um ihrem Hobby zu fröhnen. Eine Handvoll Spieleläden in Berlin bieten daher neben dem Verkauf auch die Möglichkeit an, sich für ein paar Stunden hinzusetzen und bei einem Kaffee eine Runde Carcassonne oder ein anderes, schönes Spiel zu spielen.
Warum spielen wir also? Um zu gewinnen, um zu zeigen dass wir besser sind als die anderen, um unter Menschen zu sein und Zeit mit unseren Freunden zu verbringen? Ich denke von jedem ein wenig, wobei die Tendenzen von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein werden. Ich jedenfalls kann mir ein Leben ohne zu spielen nicht mehr vorstellen und werde sicher auch die nächsten dreißig Jahre mit Menschen um einen Tisch sitzen und die Würfel werfen.

